Verfügbarkeit, Verbreitung und Sinnhaftigkeit:
Fertig-JURTEN aus den USA werden wenn, dann bisher meist mit
PVC-Isolierung feilgeboten, die nicht für ein Leben darin, schon gar
nicht in unseren kalten Wintern geeignet sind. Traditionelle
Filz-Jurten haben nicht nur einen starken Schafstall-Geruch, sie halten
vor allem unser feuchtes Klima nicht aus und beginnen nach zwei bis
drei Jahren gesundheitsgefährlich zu modern und undicht zu werden. Aus
diesem Grund legten wir in unserer "Forschungsgemeinschaft für
naturintegriert-rundes Bauen und Leben" von Anfang an größten
Wert darauf, diese Schwachpunkte zu überwinden und das geniale,
naturkonforme Konzept der traditionellen Jurtenbauweise so
weiterzuentwickeln, dass es unserem Klima und unseren gehobenen
Wohnansprüchen gerecht wurd. Bis jetzt aber bieten wir noch keine
vorfabrizierten Fertig-Jurten an.
Im Klartext: Deine Jurte soll mit Deiner Lebensenergie durchdrungen
sein! So kannst Du bei uns lernen, sie ganz nach Deinen Wünschen
selber zu bauen (siehe "Kurse").
Für unser Feucht-Klima völlig winterfeste und unserem Wohnkomfort
angepasste Textil-Jurten (mit Küche, Bad, Bio-Klo, Heizung..) zu
entwickeln und hierfür obendrein sehr kostengünstige Workshops
anzubieten, ist bisher anscheinend sogar ein weltweit einzigartiger
Pionierakt. Und dieser entwickelt sich mehr und mehr zu einem wichtigen
Baustein für eine neue Kultur der Freiheit in Eigen-Verantwortung. Was
auch genau unsere erklärte Absicht ist!
Workshops dazu gibt es seit 2004, davon bisher sogar zwei auf
Neuseeland, was nicht nur räumlich, sondern v.a. qualitativ und
bezüglich des Spektrums der Bau-Möglichkeiten einen Quantensprung
bedeutete (siehe: "Bilanz
der Neuseelandreise").
Die Jurte als Sinn-Bild
Für den kirgisischen Schriftsteller und hochrangigen russischen
Politiker Tschingis
Aitmatow stellt "die Jurte eine der
grossartigsten und dauerhaftesten architektonischen Bauten in der
Wohnkultur der Menschheit dar."
"Mit dem Wärme- und Frischluftkreislauf, der durch den offenen
Dachkranz entsteht", so der verdienstreiche Mongolei-Forscher Kai
Ehlers, "bietet die Jurte einen optimalen Raum, in dem der Mensch
gut leben kann. Ihre runde Gestalt mit dem zum Himmel offenen Dach
lässt eine lebendige, naturbezogene Aura entstehen, in der, um es
einmal so zu formulieren, der Mensch nicht aneckt, sondern sich rundum
wohl fühlen kann.
Der mongolisch-tuwinische Schriftsteller Galsan Tschinag
hat für den Unterschied zwischen dem Westlichen und dem Nomadischen
(nicht dem Östlichen!) die Begriffe des Runden und des Eckigen gewählt.
Besser kann man es nicht treffen: Die Jurte ist rund; es gibt in ihr
keine Ecken, an denen man sich stoßen könnte, ebenso wenig solche, in
denen irgendetwas vergessen herumliegen könnte. Die Jurte trennt das
Wohnen und Leben des Menschen nicht von seiner Umgebung ab, sondern
verbindet ihn damit. In der Jurte wird das Wetter, werden Tag und
Nacht, werden generell die natürlichen Kreisläufe des Lebens
unmittelbar erlebt. Die Jurte macht den Wechsel von Innen und Außen
unmittelbar erlebbar, insofern sie den Kreis des Lebens sehr eingrenzt und behütet,
gleichzeitig aber nach außen hin sehr offen und durchlässig ist. Die
Jurte lebt vom Prinzip des Minimalismus, Pragmatismus und der
Mobilität. Das vermittelt dem Menschen ein Lebensgefühl der
Leichtigkeit, des Provisorischen und der Vergänglichkeit. Man kommt dem
Tod und dem Leben näher als in einem Haus, das für Ewigkeiten gebaut scheint.
Gleichzeitig ist die Jurte streng nach Gesetzmäßigkeiten aufgebaut, die
mit der nach Süden gerichteten Tür, mit dem Dachkranz, mit den
Dachstangen, dem Filz usw. beginnen, sich mit der Zuweisung von Plätzen
für die Männer, die Frauen, die Gäste usw. fortsetzen und mit der
rituellen Bedeutung all der Sitten und Gebräuche in der Jurte enden.
Dies alles lässt die Jurte für den Westen zu einem Symbol der
Beweglichkeit, der Veränderung und in der gegebenen Situation unserer
industriellen Krise des Aufbruchs werden, während sie gleichzeitig traditionelle Werte in Erinnerung bringt. Die Jurte ist damit für den westlichen Menschen so etwas wie ein Jungbrunnen, der ihn zu seinen
Ursprüngen zurückführt und ihn zwingt, aufs Neue darüber nachzudenken,
warum er lebt, wie er lebt." (aus dem Interview zum Buch: "Die
Zukunft der Jurte Kulturkampf in der Mongolei?" von Kai Ehlers,
ISBN 3-938396-01-6)