Zur Entdeckung der Jurtenbauweise
für mitteleuropäische Klima- und Lebensverhältnisse
Ein harmloser
Lichtbildervortrag über die Mongolei in den frühen 80er Jahren hatte es
mir angetan: Da wurden schlichte Filz-Zelte als Behausung gezeigt. So
etwas sehen Millionen, doch wem fällt schon auf, welch eine
gesellschaftsrelevante Dimension sich dahinter verbirgt? Und das sogar
für Mitteleuropa! Jurten - das sind mit einfachsten Werkzeugen und
äußerst kostengünstig herstellbare, textile Behausungen. In extremsten
Klimabereichen verbreitet, geben sie Schutz vor Temperaturen über minus
50° und plus 40° und vor Stürmen bis 300 km/h. So sind sie unglaublich
stabil und dennoch genial leicht, transportierbar und dabei
ausgesprochen behaglich. Warum gibt es nichts Vergleichbares bei uns,
was in sich so viele Vorteile vereint?
Auch bei mir dämmerte die Saat erst 20 Jahre dahin (wobei mich stets
auch andere Low-Cost-Bauweisen und insbes. Kuppelbauten
interessierten), bis ich 1998 erstmals im Leben Miete zahlte und fand,
nun wäre es an der Zeit, meinen lange gehegten Traum zu verwirklichen.
Ich holte meine vergilbten Skizzen und Aufzeichnungen hervor, machte
mich via Internet schlau und besuchte eine kleine Jurtensiedlung von
Mongolen, die nur unweit von meinem Heimatort Graz entfernt lag. Das
war gut so, denn es hat mir nicht nur eine Reise ins Ursprungsland
erspart: Zu dieser Zeit gab es gerade eine Woche lang permanenten
November-Schnürlregen, und obwohl nicht angenehm, war es in dem Fall
mein großes Glück: Als ich nämlich das schmucke Filz-Zelt betrat,
stiegen mir die Mängel traditioneller Jurten für unser Klima sofort in
die Nase: Es roch ziemlich penetrant nach Schaf und Schimmel, und die
Mongolen dachten selbst daran, es mit LKW-Planen zu überdachen und die
überkragende Plattform, auf der die Jurte stand, durch Stelzen zu
ersetzen.
Diese Erfahrung hätte ich im relativ trockenen Ursprungsland gar nicht
haben können. Nun aber sah ich mich vor die Herausforderung gestellt,
diese an sich total geniale Bauweise erst mal an unser Klima und
unseren gewohnten Wohnkomfort anzupassen. Das Internet führte rasch zu
einschlägigen Entwicklungen in den USA. Dort hat vor gut 30 Jahren ein
Einzelner, Bill Coperthwaite, eine ganze Bewegung entfacht: "The
Yurt-People". Seitdem wächst die Zahl der "runden" Dörfer in Übersee
beständig.
Nun verleitet allerdings die (keineswegs nur) amerikanische
Oberflächlichkeit besonders dazu, mit der Erde so umgehen, als hätten
wir eine zweite in der Hosentasche. Bei der Hausisolierung wird
generell geschlampt. Und die professionellen amerikanischen Jurtenbauer
begnügen sich mit alu-bedampfter Plastikfolie. Um akzeptablere Lösungen
für dieses Problem zu finden, musste ich also weiter meine eigenen Wege
gehen.
Isolierung und Hinterlüftung - der entscheidende
Durchbruch
Ich begann also im August 2000 konkret
mit meiner ersten eigenen "Jurten.heim.at", d.h., ich zog einfach aus
der Mietswohnung aus, breitete meinen Schlafsack auf die Torfmullballen
in der großen Garage der Baumschule meiner Schwester, präparierte den
Platz für eine zweistöckige Jurte auf einem 1000-qm-Pachtgrundstück bei
ihr (in Graz) und begann nach eigenen Plänen, 12 tortenstückartige
Fußbodenteile für die Jurte meiner Vorstellung herzustellen. Und nach
und nach alle anderen Teile. Im Herbst konnte ich dann schon
provisorisch einziehen und baute emsig weiter. Dabei machte ich
natürlich viele Anfängerfehler, aus denen ich aber sehr gut lernen
durfte. Inzwischen ist z.B. die Schimmelgefahr gebannt (durch eine
doppelschalige Bauweise, d.h. den Einbau einer Hinterlüftung aller
Wand- und Dachteile) und für den Winter reicht ein kleiner Holzofen
(eine sensationelle Alternative dazu ist die feuerfreie, mikrobielle
"Kompost-Heizung").
Die Isolierung (mit Dampfbremse und Hinterlüftung) ist hierbei die
entscheidende Hürde für den europäischen Wohn-Jurtenbau. Erst als ich
dazu passende Lösungen bieten konnte, begann ich, ab 2004 Jurten nach
dem "Open-Source-Prinzip" anzubieten, das heißt als JURTENBAU-SEMINARE,
in denen ich meine Erfahrungen offen und rückhaltslos weitergebe, also
ohne die übliche kapitalistische Vereinnahmung und Geheimhaltung.
Offenlegung und Angebot der Bauweise
Mir
liegt nichts daran, aus der modernen Jurte ein kommerzielles
Fertigprodukt von der Stange zu machen, im Gegenteil, aus energetischen
Gründen (und nicht nur aus finanziellen) rate ich dazu, dass die
zukünftigen BewohnerInnen hier selbst Hand anlegen. Das geschieht eben
durch die Weitergabe des ganzen Wissens zu dieser Bauweise. Wer seine
Jurte selber baut, wird immer wesentlich kostengünstiger abschneiden
als jede Art Fertigprodukt, das sich daraus machen und
marktwirtschaftlich ausschlachten lässt.
siehe dazu Jurten-Varianten/Bestandteile.
Dazu gibt es eigene Jurtenbau-Workshops, die unter "Kurse"
aufgelistet sind