Nachteile, Vorurteile:

1.) In erster Linie sind wir hierzulande ein Wohnen im Runden überhaupt nicht gewohnt. Die meisten Mitteleuropäer haben einen runden Wohnraum noch nie im Leben betreten. Sie sind total auf ihre "vier Ecken" geprägt und können sich sowas deshalb nur schwer vorstellen.

2.) Ein Rundraum verträgt keine radiale Raumteilung, wodurch das runde Raumgefühl und -Gefüge völlig zerstört würde. Deshalb sind Jurten zunächst mal Ein-Raum-Bauten. Doch dabei muss es nicht bleiben: Es lassen sich mehrere Jurten aneinandersetzen, mit oder ohne Korridor. Letzterer kann zudem ausgebaut werden zu einem viereckigen Zwischenraum. Oder es wird ein eckiger Vorraum angebaut, der z.B. aus drei Teilen besteht: links Bad und (Humus-)Klo, rechts die Küche mit Durchreiche in die Jurte und in der Mitte das Vestibül. Besonders in Hanglagen lassen sich sehr leicht dem Rund folgende Zubauten angliedern, und zwar in beliebiger Menge.

3.) All unsere Einrichtung ist dem viereckigen Wohnen angepasst. Schränke dürfen deshalb nicht zu breit sein (z.B. bis 1m), weil sich sonst hinter ihnen ein zu breiter Spalt bildet. Auch die Höhe darf den (z.B. 1,80m) niedrigen Jurtenrand nicht übersteigen. Ich empfinde die Einrichtung von Jurten mit herkömmlichen Möbeln einen groben Stilbruch und bevorzuge ein bodennahes Jurtenleben auf Pölstern und niedrigen Tischen (abgesehen von Küchen- und Schreibtisch). Wird das Bett der Länge nach an den Jurtenrand angeschlossen, dann hat es sich bewährt, den entstehenden Spalt etwa mit Pöstern oder einem Podest auszufüllen.

4.) Mit der bisher von mir verwendeten Bio-Dämmung war die Jurte noch relativ lärmempfindlich. Das ändert sich aber gerade, denn z.B. Strohballen absorbieren den Lärm sehr gut.

5.) In Ländern mit sehr genauen Ortsbildvorschriften (v.a. BRD) kann es schwierig bis unmöglich sein, für Jurten als Gebäude vom "Großen Bruder" eine Baubewilligung zu bekommen...

6.) Manchen macht die textile und leichte Einkleidung der Jurte Angst, v.a. bez. Einbruchsicherheit. Dem halte ich entgegen, dass es viel länger dauert, sich durch die Schichten einer Jurte zu arbeiten als ein Fenster einzuschlagen oder (lautlos) einzuschneiden. So halte ich diesen Faktor für psychologisch und nicht real. Es geht hier auch um ein gewohntes Sicherheitsempfinden in "festen Mauern" - eine reine VOR-Stellung!

7.) Es besteht auch das Vorurteil, Jurten ließen sich schwerer heizen oder blieben trotz Heizung kalt. Auch das ist eine reine Vorstellung, denn genau das Gegenteil ist der Fall: Sie sind viel schneller aufheizbar als etwa Ziegelbauten, brauchen aber (wenig) kontinuierliche Wärmezufuhr, weil die weiche Dämmung wenig Speicherwirkung aufweist. Jede üblich Heizung lässt sich auch in einer Jurte einrichten.

8.) Auch können sich manche nicht vorstellen, wie man Sanitärräume nach modernem Standard in eine Jurte integrieren kann. Das geht aber ganz leicht, etwa wie unter Pkt. 2 beschrieben.

Unterm Strich ist somit nur ein Nachteil schlecht oder un-lösbar: der behördliche Aspekt - als Beispiel, wie leicht so mancher UN-Sinn zum Gesetz erhoben werden kann...

Fortsetzung: Die weitere Entwicklung