MATERIAL- UND KONSTRUKTIONS-VARIANTEN ZUR AUSWAHL

.Stand: Mai 2007

Es gibt Die nachfolgende Auflistung zahlreicher Varianten mag vielleicht verwirren. Darum muß ich vorweg betonen, dass viele dieser Varainten zwar durchgedacht und teilweise experimentiert, aber noch nicht im Jurtenbau umgesetzt worden sind. Dennoch: Seitdem ich konkret mit Jurtenbau-Experimenten 1998 begonnen und 2000 die erste (zweistöckige) Jurte für meinen Eigenbedarf gebaut habe, traue ich mir heute zu, aufgrund zahlreicher Erfahrungen mit den bisher ausgeführten Formen diese Varianten durchzuführen. Meine frühere Tätigkeit in den Baumschulbetrieben meiner Eltern und Geschwister hat mich eigentlich schon so gut darauf vorbereitet, dass ich selber darüber staune (es ging ja dabei nicht nur um's Pflanzen setzen, sondern um vielfältige Formen der Raumgestaltung: Stein- und Mauerarbeiten, Teich-, Garten-, Gewächshaus- und Bungalow-Bau, Dachbegrünungen, Bio-Klär-Anlagen u.v.m.). Aus alledem entnehme ich meine Anregungen und Materialien und komme gerade aufgrund dieser Vorbildung auf Schlüsse, welche für den üblichen (wohn-)Bau sehr ungewöhnlich, aber hier hochinteressante Lösungen sein können. Und nun durfte ich auf Neuseeland entscheidende Durchbrüche erfahren, was die Kombination des Jurtenbaus mit den reichhaltigen Erfahrungen dort im Umgang mit einfachsten Mitteln und Materialien betrifft (v.a. Strohlehm u. dgl.)...
Bei all der nachfolgend aufgezeigten Fülle bleibt der Jurtenbau im Vergleich zum heutigen Hightech-Wohnbau erfreulich einfach und "bodenständig". Gerade diese besondere Naturnähe zeichnet ihn aus. Sie bildet einen herzerfrischenden Kontrast zur übertechnisierten Welt - in jeder Hinsicht!

FUSSBODEN (mindestens 30 Varianten und zahlreiche Kombinationen)
a) anwendbar v.a. bei ebenem Gelände, am Boden aufliegend: ¤ OSB-Platten-, Schalbretter- oder Nut-Feder-Bretterboden auf Balken, alles z.B. mit Strohballen-, Telwolle-, Torf- oder Rindenmulch-Isolierung darunter;
b) aus:
¤ Beton (ich lehne aber Verbetonierung ab!), ¤ Stampf- und/oder Strohlehm, ¤ Stein- oder Klinkerplatten bzw. Ziegeln (kalt oder mit Bodenheizung) ¤ Holz-Stöckelpflaster (isolierend!), Schaumstoff-Heraklithplatten, ¤ Moos mit Trittsteinen oder Holz-Stöckelpflaster (s. Erd-Jurte*).
c) Ring-Einfassung aus: Beton (rate ich ab), Polyester- und/oder Bitumenwellplatte, Beton- oder Holzpalisaden;
d)
¤ auf Punktfundament (besonders geeignet bei unebenem Gelände): ¤ Beton- oder Ziegelsäulen, ¤ mit Schotter gefüllte Autoreifen, ¤ Stein-Gabionen (das sind Steine eingefasst in z.B. verzinkte Drahtgitter) ¤ Erdanker und Holzpfeiler;
e)
¤ auf einem vorgefertigten Keller
f) Fußboden im Ganzen oder in mobilen Teilen, mit Stauraum darunter (eventuell begehbar)

WAND
Scherengitter:
¤ Hartholz, ¤ Bambus, ¤ lebendiges Weiden- oder Obstbaum-Gitter (Erd-Jurte*), ¤ Strohballen-Wand ganz ohne Scherengitter;
¤ Scheitholz-Lehmwand (s. Links: Erdhäuser).
Isolierung:
¤ Homatherm-, Flachs- oder Hanf-Platten, ¤ Strohballen, Gras-Soden, lebendige Erde (NUtzung als "vertikaler Garten")¤ Maisstroh oder ¤ Teichbinse (brandschutzhemmend imprägniert).
Außenverkleidung:
¤ Markisenstoff, ¤ Schilfplatten oder ¤ -matten.

DACH
Speichen: ¤ Bambus (Sommerjurte), ¤ Baumstecken, ¤ Fichtenbretter (Ganzjahresjurte)
Isolierung: ¤ Schafwolle, ¤ Gründach, ¤ Strohballen, ¤ Maisstroh oder ¤ Teichbinse (entzündungshemmend imprägniert)
wetterfeste Deckung: ¤ Polyplan (andere, z.B. Naturmaterialien noch nicht gefunden bzw. erforscht)

FENSTER, TÜR, TRANSPARENTE WÄRMEDÄMMUNG
alle normalen Tür- und Fenstertypen sind einbaubar, jedoch unter besonderer Berücksichtigung der Jurtenbauweise. Als Transparente Wärmedämmung eigent sich besonders eine mehrschichtige Luftpolsterfolie mit Abstandhalter zwischen den Schichten.

LICHTKUPPEL
¤ Plexiglas zweischalig (Fertigprodukt); zwei-, drei- oder mehrschichtige ¤ Folie (PVC, PU, PTFE). aufblasbar und mit Argon gefüllt. Glas ist von der benötigten Form her schwierig zu verarbeiten, höchstens als Tiffany-Glas.

BESONDERE JURTENTYPEN
* Die Erd-Jurte, die sich besonders als Wellness-Spot (mit Wasserbecken in der Mitte) eignet, werden wir in gesonderten Workshops anbieten. Sie hat einen Moosboden mit Trittplatten, eine lebendige, durchfeuchtete Erd-Wand und ein bepflanztes Humus-Dach. Das ist sicher die faszinierendste Variante im bisherigen Spektrum, innen und außen wunderschön begrünbar bzw. mit Blumen, Erdbeer-Pflanzen etc besetzbar.
U.a. aus der Sicht des engmaschigen Netzes baubehördlicher Beschränkungen und Auflagen erweisen sich drei weitere Typen als hoch interessant: ¤Gewächshaus-Jurte (auch auf Grünland ohne Baugenehmigung erlaubt);
¤Hausboot-Jurte (aufgrund des geringen Gewichts einer Jurte auf Schwimmkörpern auf Gewässern ohne Baugenehmigung z.T. erlaubt, nur Gewässerschutz-Verordnung relevant)
¤Baum-Jurte (zumindest teilweise in Österreich ohne Genehmigung erlaubt, da in keiner Weise mit der Erde verbunden)
Jurten sind gemäß sind keine festen Gebäude sondern Nomadenzelte (s. Definition in der Bauordnung: "Was ist ein Gebäude") und unterliegen daher (sofern
nicht anders bestimmt) nicht der Bauordnung (allerdings sehr wohl der Raumordnung).
(Diese Erkenntnisse sind aber nicht als verbindlich anzusehen und von jedem selbst zu prüfen.)

HEIZUNG
Soweit bisher ersehbar, ist jede bekannte Feuerheizung auch für Jurten installierbar. Eine Besonderheit jenseits der Feuerschutzbestimmungen bildet der BIOMEILER, eine biologisch-aerobe Mikrobenheizung, die mindestens ein halbes Jahr ohne Service kontinuierlich durchheizt und dazu noch Biogas (anerobe Gärung in einem Behälter in der Mitte des Meilers) und besten Mulch-Kompost abgibt.

SANITÄRES, WASSERVER- und ENTSORGUNG
Auch das ist alles natürlich konventionell möglich - unter Berücksichtigung der behördlichen Auflagen. Ohne die geht's aber auch, wenn man sich von der Vorstellung freimacht, dass Abwasser ein notwendiges Übel ist (d.h., wenn das Grauwasser zu Brauchwasser umgewandelt und so recycliert wird).

Obige Material- und Konstruktionsliste stellt den Stand im Juni 2008 dar und ist hoffentlich noch lange weiter entwicklungsfähig.

Fortsetzung: Wie es dazu kam