<head> <meta content="text/html; charset=ISO-8859-1" http-equiv="Content-Type"> <title>SkriptFaltyurt_gedaemmt</title>

Jurtenbau-Innovationen 2014

>>Die größten Innovationsschritte kommen oft überraschend – am erfreulichsten dann, wenn keine mehr erwartet werden!<<

Im Laufe der eineinhalb Jahrzehnte bisheriger Jurtenbau-Forschung und -Erfahrung habe ich zwar diese geniale Bauweise immer besser an (insbesondere) mitteleuropäische Klimavoraussetzungen, Komfortgewohnheiten, Naturgerechtheit, Kostenminimum und Einfachheit heranbringen können, doch wurden die Jurten damit eher ortsfest als mobil. Darum ging es mir in den letzten zwei Jahren hauptsächlich darum, diese Eigenschaften auf eine HOCHMOBILE wintertaugliche Wohn-Jurte zu übertragen. Und sie sollte sich zudem noch mindestens ebenso schnell aufstellen und abbauen lassen wie die traditionelle Filz-Jurte und für den Transport mindestens ebenso wenig Platz einnehmen, nur eben mit "ordentlicher" und im mitteleuropäischen Feuchtklima wenigstens Jahrzehnte haltbarer Dämmung und Einkleidung.
Dem kam Anfang 2014 ein ganz besonderer "Zufall" entgegen. Seit Beginn dieser Bauweise werden auf der ganzen Welt Jurten gemacht, dessen Fertigung zwar insgesamt sehr einfach erscheint, aber einige Details stellen doch hohe Anforderungen ans handwerkliche Können. - Bis einer kommt, der zeigt, dass es auch ganz anders geht - und zwar viel einfacher!

Das Ergebnis ist: 2014 könnte weltweit zu einer Wende für den Jurtenbau werden, nachdem wir eine Methode für die Dachkonstruktion im Internet gefunden und weiterentwickelt haben, die ein gewisser Gordon Dipple - nur mal nebenher für sich bereits 2007 kreiert hat und die geradezu "steinzeitmäßig" einfach, jedoch für die gesamte Jurtenbauweise revolutionär ist. (Eigentlich gibt es bereits im berühmten "Shelter"-Buch aus den frühen 70er Jahren eine entsprechende Abbildung, aber das hat wohl niemanden animiert, hier groß weiter zu forschen.) Damit fällt nämlich der schwierigste Bauteil – genannt „Krone“, „Kompressions-“ Zentral- oder „Lichtring“ für leichte/kleine Sommer-Jurten ganz weg, während für größere und gedämmte, also 2-schalige Bauweisen ein sehr einfacher Ring ausreicht, der in 20 min herstellbar ist. Mehr dazu weiter unten.

Und dies führte bei mir und in meinen Jurtenbau-Kursen zu mindestens elf weiteren Innovationen allein in diesem Jahr und macht es zum erfindungsreichsten meiner bisher 16 Jahre langen Erfahrung im Jurtenbau. Das ist schon deshalb sensationell, weil ich von Anfang an sehr kreativ andere Wege gegangen bin als das, was der traditionelle Jurtenbau aus seiner viele Jahrhunderte langen Entwicklung kennt. In ihrer Genialität und Einzigartigkeit haben mich die traditionellen Jurtenbauweisen von Anfang an besonders fasziniert. Aber wie schon mehrfach betont - halte ich es für einen großen Unsinn, sie in unserem Klima - einfach nur aus Ehrfurcht vor der langen Tradition - beizubehalten. Leider scheint mir der größte Teil der Jurtenbauer diesen Konservativismus zu pflegen und - wider aller Vernunft und zeitgemäßen Zweckmäßigkeit - einfach nicht weiterzuforschen. Dadurch blieb diese geniale Bauweise bislang ein exotisches Nischenprodukt. Aber genau das zu ändern und sie vielleicht sogar zu einer der begehrtesten Bauweisen überhaupt zu machen - aufgrund ihrer zahlreichen Vorteile - und das zugleich für fast alle Klimaregionen - darin sehe ich meinen Lebensauftag!

Die Innovationen im Einzelnen:

1) Übertragung des Faltdach-Bauprinzip auf die wintertaugliche Wohn-Jurte

Diese ist gedämmt und daher doppelschalig. Dadurch wird der gesamte Schicht-Aufbau weitaus komplexer, (s. Pkt. 12) und genau das führte zu einer Kette weiterer Innovationen. Auch wenn es immer noch Potenzial zur Weiterentwicklung gibt, liegen nun Ergebnisse vor, die sich wirklich sehen lassen.
Dabei ist die Entdeckung des FALT-JURTEN-DACHes zweifellos der revolutionärste Schritt! In ihrer einfachsten Form (ohne Dämmung) und einem Jurtendurchmesser bis rund 4m kann die gesamte Konstruktion mitsamt Planen-Eindeckung in sage und schreibe etwa 5 min. aufgestellt werden! Nun ist bei der Falt-Jurte von Gordon Dipple das Dach- mit dem Wandteil fest verbunden und wird gemeinsam ent- oder zusammengefaltet. Bei größeren Durchmessern werden die Dachspeichen gegenüber dem Wand-Scherengitter allerdings immer länger, das Auseinanderfalten ist dann ohne weitere Helfer nicht zu bewältigen. Besser ist es - und bei doppelschaligen, gedämmten Jurten unumgänglich - das zu einem einzigen Scherengitter-Stück verknüpfte Falt-Dach in einem zweiten Schritt auf das zuvor auseinander gezogene Wand-Scherengitter zu setzen - mit möglichst wenigen Handgriffen...

einfaches Bambus-FALT-Dachskelett

einfaches Bambus-FALT-Jurten-Dachskelett mit vier Knoten pro Speichenpaar

2) einfacher PE-Kompressionsring

Bei größeren Durchmessern entsteht ein weiteres Problem: Die bekanntlich sehr flexiblen Bambusstangen weichen dem Kompressions-Druck des Eigengewichts aus, wodurch sich der Dach-Neigungswinkel verringert und die Öffnung in der Mitte kleiner wird. Dies lässt sich verhindern, und noch dazu so, dass sich sogar eine recht große Lichtkuppel aufsetzen lässt:
Um genügend Festigkeit aufzuweisen, hat die 4m-Falt-Jurte von Gordon Dipple eine zentrale Lichtöffnung von nur etwa 40 cm. Einem kleinen aber feinen Einfall ist es zu verdanken, daß sie nun wieder weitaus größer gemach werden kann, – z.B. 120-140 cm. Dabei hat sich herausgestellt, dass - unabhängig von der Jurtengröße - bereits zwei Knotenpunkte pro Dachstangenpaar reichen, das sind bei 48 Stück nur 48 Knoten! (Vorher waren es vier bis acht). Das Zauberwort heißt Installations-(PE-)Rohr-Kompressionsring, der sich mit einem Handgriff und einem Stück Holz als Verbindungselement zusammenbiegen lässt. Also kommt nun doch wieder ein Lichtring ins Spiel, nur mit dem Unterschied, dass sich dieser ganz leicht in etwa 20 min herstellen lässt... PE-Kompressionsring

3) Verbindung von Kompressionsring und Dach-Scherengitter

Doch damit tauchte die nächste Frage auf: Wie lassen sich die Dachspeichen optimal und in kürzester Zeit mit diesem Ring verbinden? Die bisher beste und einfachste Lösung hierfür zeigte sich in Form von Haken im Lichtring. Mittels Schlaufen knapp über den inneren Knoten jedes Speichenpaares wird das Dach-Scherengitter in diese Haken eingehängt. Nagelhaken im Kompressionsring

4) Eine Person kann allein und rasch das ganze Skelett aufstellen

- indem Schlaufen überall dort angebracht werden, wo die Dachspeichen an die Wand hinkommen. Das fertige Dach-Scherengitter mit fixen Ösen am äußeren Ende der Speichen wird am Boden aufgebreitet. An diese Ösen wird an das eine Ende je einer Schnur geknotet. Das andere Ende wird durch die Schlaufe oben in der Wand geführt und zur Mitte zu einem Ring, z.B. von einem ehemaligen Fahrrad. Man stellt sich nun in die Mitte der Felge, an der alle Schnüre rundum lose befestigt sind und zieht diese nach der Reihe in mehreren Durchgängen immer höher, bis  außen die Speichen die Schlaufen erreichen oder kurz davor sind. Nun brauchen die Speichen nur noch rundum in die Schleifen eingehängt und die Schnüre gelöst werden. Damit ist bei der wintertauglichen Jurte das untere Dachskelett am Platz, bereit für die nächsten Schritte. Freilich geht das zu zweit noch leichter und schneller. Angenehmer Nebeneffekt: Bisher musste (bei der doppelschaligen Bauweise) der Lichtring mit

mit Hilfring Dachskelett heben
Hilfe von Lot, Maßband und besonders bei Wind mit viel Geduld genau über deer Mitte des Fußbodens einzentriert werden, sonst wurde die Jurte schief. Dann war jede Dachspeiche extra zu befestigen. All das erübrigt sich nun und auch eine Verdrehung des Lichtringes (die größte Gefahr beim Jurtenbau!) ist von vornherein ausgeschlossen!

5) Ausbreiten der Dach-Dämmung und des oberen Dach-Scherengitters

So lange die mittige Lichtöffnung nur ca. 40 cm eng war, musste man zugleich mit dem unteren Dach-Scherengitter auch die ganze Dämmung und das obere Scherengitter  auf die Wand-Oberkanten-Höhe anheben, wozu es viele Helfer brauchte. Doch nun haben wir ja eine großartig weite Öffnung, und durch diese lässt sich nach dem Hochziehen allein des unteren Dach-Scherengitters die Dachdämmung und sodann das obere Dach-Scherengitter bequem hindurch heben und gemütlich auseinanderfalten....

Dachdämmung + oberes Skelett aufsetzen

6) Dämmug aus Schafwoll-VLIES

Für die Dämmung ortsfester Jurten haben sich bisher Schilf-, weiche Holzfaser- oder Hanfplatten am besten bewährt. Filz ist in den traditionellen Jurten-Ländern der gängige Dämmstoff. Aber er dämmt im Vergleich zu unseren modernen Dämmstoffen ausgesprochen schlecht, ist sehr schwer, riecht unangenehm und verschimmelt/fault in unserem Klima binnen weniger Jahre. Ich sehe keine einzige Eigenschaft von Filz, die ihn für unser Klima und unsere Komfortansprüche attraktiv macht. Wenn man von einem viel zu teuren High-Tech-Dämmstoff absieht („Spaceloft“ - eine Kombination aus Aerogel und Glasfaser), kommt für unsere Ansprüche und Breiten nur ein (natürlicher!) Dämmstoff in Betracht, dessen Volumen sich für den Transport ausreichend zusammendrücken lässt, und der im losen Zustand wieder die vorgesehene Dämmdicke  (z.B.10 cm) annimmt: das watte-artige Schafwoll-VLIES (Daunen wären in einiger Hinsicht noch besser, aber sie sind in der nötigen Menge schwer zu bekommen, wahrscheinlich recht teuer und sacken noch eher zusammen als Schafwoll-Vlies v.a. durch das Rütteln des Windes an der Jurte). Es ist zudem extrem leicht und kann - wie von Wolle ja bekannt - bis zu 50% seines Eingengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen (was aber durch die hier verfolgte Baumethode von vornherein vermieden wird). Sein einziger Nachteil: Es ist nicht formstabil. Doch da es sich gut versteppen und verkleben lässt, konnte diese Hürde elegant genommen werden. Man könnte Schafwoll-Vlies auch in Handarbeit selber herstellen, doch wäre der Aufwand dafür riesig im Vergleich zur maschinellen Fertigung.

7) Dämmung besser in 2 Schichten als in Teilstücken

Für die mitteleuropäische Klimazone ist es ratsam, in das Dach eine mindestens 10 cm starke Schafwolldämmung einzubringen. Bei einem Jurtendurchmesser z.B. von 5,5m ist deren Fertigung und Transport in einem Stück aber nicht mehr vernünftig durchführbar. Das Aufteilen in mehrere „Tortenstücke“ hat sich hierbei als nicht optimal erwiesen, denn die Nahtstellen müssen winddicht verschlossen werden, und das stellt uns vor die haarige Aufgabe, die Teilstücke passend zu überlappen und miteinander zu verknüpfen. Einfacher und sicherer ist es, zwei übereinander zu legende Dämmschichten zu je 5cm zu fertigen, und zwar als ganzes und nicht in Teilstücken. Dadurch hat man zwar einen etwas größeren Arbeitsaufwand bei der Herstellung, aber es gibt keine nöglichen Kältebrücken und das Volumen hält sich im aufgerollten Zustand in gut handhabbaren Grenzen, zumal für die hochmobile Wohnjurten-Variante ein Durchmesser über 6m selten gefragt sein dürfte (einer Weiterentwicklung analog zu den Pfadfinder-Kohten steht aber grundsätzlich nichts im Wege).

8) Wand-Dämmung

Wie schon gesagt eignet sich am besten Schafwoll-Vlies als Dämmung für die hochmobile wintertaugliche Faltjurte, weil es nicht nur hervorragende Dämm-Eigenschaften hat, sondern auch, weil sich dessen Volumen für Transportzwecke bis auf 1/4 komprimieren lässt. Allerdings mussten damit weitere Hürden überwunden werden, denn Schafwoll-Vlies hat keine Formstabilität, d.h. senkrecht angebracht würde es in sich zusammensacken. Man kann das Vlies zwar wie auf einer Wäscheleine am Ring-Anker aufhängen, aber das führt zu Dichtigkeitsproblemen entlang der oberen Kante.

So hat sich erwiesen, daß wir bei schafwoll-gedämmten Jurten auf das für Sommerjurten sehr bewährte, weil leichte und sehr gut transportable Wand-Scherengitter aus Bambus besser verzichten. Doch werden die Vorteile des Bambus-Scherengitters durch andere – teilweise noch bessere ersetzt: Die entscheidende Veränderung bestand darin, das Scherengitter durch Hartfaser- bzw. MDF-Platten zu ersetzen. Diese lassen sich sehr gut zu einem Zylinder zusammenschrauben sowie bei Bedarf in gut transportable und leichte Teilstücke zerlegen. Die Schafwolle wird an die Platten-Rückseite angeklebt und gegenüberliegend mit einer dampfdiffusions-offenen Membran ebenfalls verklebt. In Form von Wand-Platten wird 1. die Jurte deutlich stabiler, 2. erübrigt sich die langwierige Arbeit des Scherengitter-Knüpfens; 3. löst die entlang der harten Platten-Oberkante angeklebte Schafwolle das Dichtigkeitsproblem, Kleber aufsprühen für Wand-Dampfbremse
4. kann durch weitere Verklebung der Schafwolle über die ganze Platten-Fläche diese nicht mehr heruntersacken. 5. ist erst damit das Hochziehen des Dachskeletts - wie unter Punkt 5 beschrieben - möglich. 6. verhindern die Platten das seitliche Verziehen des Türstockes, was beim Scherengitter immer ein Problem ist. (Geflochtene Bambusplatten (Natur-Pur!) wären mir noch lieber, aber die müssten erst aus Fernost importiert werden.)

9) minimales Transport-Volumen

"Zufällig" hat sich herausgestellt, dass die 5,5m-Wohnjurte für den Transport ihres gesamten Materials flächenmäßig exakt und im Volumen optimal auf meinen (gängigen) Anhänger von 140 x 250 cm passt!

10) Berechnung in kosmischen Maßsystemen und Heiliger Geometrie

Dies ist umso erfreulicher, da sich "zufällig" damit genau ein Maßstab verbinden lässt, der in allen drei kosmisch orientieren Maßsystemen Sinn macht (Zoll, Hunab, ägypt. Elle), wobei sich zusätzlich alle wichtigen Untermaße in die Heilige Geometrie einfügen. Ich lege grundsätzlich großen Wert auf Dimensionierungen, die im (Schwingungs-)Einklang mit dem Universum sind! "Schräge" Resonanzen verzerren das "gesunde" Gleichgewicht der Bewohner und werden deshalb tunlichst vermieden! Dieser Faktor zusammen mit der Materialwahl und geistigen Imprägnierung bewirkt, daß der Lebensraum zugleich zum Kraftort für körperliche und psychische Gesundheit wird.

11) Erstellung eines detaillierten Faltjurten-Berechnungsprogrammes
Diesen kosmologischen Grundlagen berücksichtigend habe ich (letztlich in monatelanger Düftelei) ein sehr detailliertes Rechenprogramm ausgearbeitet, aus dem sich - unter Berücksichtigung vieler freier Variablen - die Maße aller Teile per Knopfdruck von selber berechnen, natürlich sowohl für einfache ungedämmte wie auch für die mehrschichtige gedämmte Wohn-Faltjurte.

12) Mandala-Dach für ortsfeste Jurten

Für den letzten Monat der Bausaison 2014 hatte ich das große Glück, als „Praktikanten“ einen erfahrenen Architekten an der Seite zu haben und wir haben gemeinsam ein 1:10-Jurten-Modell mit einem „doppelten“ „Mandala-Dach“ („reciprocal roof“) kreiert, das für hohe (Schnee-)Lasten besser geeignet ist als die Bambusspeichen. Auch hier erübrigt sich der Zentral- oder Lichtring. Nun ist es ja so, dass für eine wintertaugliche Jurte immer zwei Skelett-Schichten vonnöten sind, eine zwischen oder unter der Dämmung und eine darüber. Bei ortsfesten Jurten muß die obere zudem als „Kaltdach“ der Hinterlüftung dienen, weil hierfür die regensichere Abdeckung besser aus LKW-Plane als aus (Markisen-)Stoff gefertigt werden sollte (was zusätzlich einen Entlüftungs-Kragen über dem Lichtring nötig macht).
Bisher bestand der tragende Teil des Daches zumeist aus hochkant gestellten Brettern in der Höhe der Dämmung, die dazwischen eingebracht wurde. Das Kaltdach musste zusätzlich darüber verlegt werden. Das war deutlich komplizierter als die neue Lösung:

Nun besteht die untere Dachspeichenschicht aus dem besagten Bambus-Faltdach, und diese (in der fertigen Jurte sichtbare) Geometrie erinnert an eine Sonnenblume – ist also wunderschön! Die Dämmung wird einfach auf die Bambusstangen (bzw. auf das über diese gebreitete Innenleinen) gelegt, was weniger Verschnitt und eine schnellere Fertigung erlaubt.
Modell Mandaladach

Die obere Speichenebene wird sodann entweder als einfaches oder doppeltes Mandala-Dach ausgeführt, je nachdem, wie hohe Lasten die Jurte tragen soll (sehr starke Stürme, hohe Schneelasten und/oder Dachbegrünung mit eigens entwickelter Isolier-Leichterde). Wenn keine so hohe Belastung zu erwarten ist, werden die oberen Dachspeichen strahlenförmig oder in Form eines zweiten Falt-Daches auf die Dämmung aufgelegt und nur durch den PE-Kompressionsring stabilisiert anstelle des komplizierten Lichtringes aus Holz. Bei mittleren Dachlasten ist auch die Variante reizvoll, die untere von der oberen Mandala-Dachebene zu trennen, nur deren Kreuzungspunkte - mit Abstandhaltern versehen - aneinander zu schrauben und dazwischen die Dämmung auszubreiten. Hier gibt es also wunderbare Möglichkeiten!

Schicht-Aufbau des Jurtendaches (von innen nach außen):

a) Bambus-Dach-Scherengitter nach dem Falt-Jurten-Prinzip
b) Innenleinen, bei der ortsfesten Jurte am besten geweißelt; innenseitig weiße Dampfbremse bei der hochmobilen
c) Dämmung
d) wasserdichte, aber dampfdiffusionsoffene Außenmembran ("Dampfbremse")
e) lasttragendes Außenskelett: Mandala-Dach bei der ortsfesten Jurte (dient zugleich der „Kaltdach“-Hinterlüftung); Bambus-Scherengitter wie innen bei der hochmobilen Jurte (hier ist keine Hinterlüftung nötig wegen der atmungsaktiven Außenhaut)
f) Außenhaut: LKW-Plane bei der ortsfesten Jurte; imprägnierter (!!!) Markisenstoff bei der hochmobilen.


Schicht-Aufbau der Wand:

a) biegsame Platten, die miteinander verschraubt werden bis zur Schließung des Kreises am Türstock
b) Dämmung
c) atmungsfähige Außen-Membran
d) (Bambus-)Steher für das obere Dachskelett
e) textile Enkleidung (am besten Markisenstoff, muß nicht imprägniert sein)


13) Kuppelring aus Sisalschnur mit Polyester für PTFE-Kuppelfolie

Die strahlenförmige Dachkonstruktion, welche bisher weltweit alle Jurtenbauer sehr gut kennen und sich dabei die Zähne ausbeißen, verlangt einen sehr starken Lichtring. Ich selbst habe mindestens 25 Varianten davon ausprobiert. In den meisten Fällen waren dafür gute bis sehr gute handwerkliche Fähigkeiten erforderlich und das hat viele TeilnehmerInnen an den Workshops davon abgeschreckt, ihre eigene Jurte zu bauen. Das hat mir keine Ruhe gelassen, und ich habe intensiv nach leichteren Lösungen gesucht. – Doch nun – dank Faltjurten-Dach – gehören alle diese komplizierten Lichtring-Bauweisen der Vergangenheit an. Und ich verkünde diese „Weltrevolution im Jurtenbau“ mit allergrößter Freude!

Leider bleibt es nicht ganz so einfach, wenn wir es ewas bequemer und lichter haben wollen als in der traditionellen Jurte: Diese weist nur eine Überwurf-Abdeckung aus licht-undurchlässigem Filz auf, die bei Bedarf über die „Krone“ gezogen wird. Das macht den Jurtenraum entweder dunkel und beheizbar oder hell und durchlüftet. Wir wollen es aber hell und warm zugleich haben und obendrein bequem belüftbar!!
Hierzu gibt es verschiedene Baumethoden von anderen Jurtenbauern bzw. kaufen sich die meisten eine fertige gewölbte Lichtkuppel, haben dann aber die Wahl, entweder einen nochmals so teuren Aufsetzring mitzukaufen oder ihn selber herzustellen.
Sisal-Kuppelring fertigen

Dann ist es aber schon nicht mehr weit dazu, auch die Folie selbst aufzuspannen. Wie überall gibt es auch dazu mehrere Wege. Bereits seit 2007 lernte ich aufblasbare Kuppeln zu konstruieren, die kein Stützskelett für die Wölbung brauchen, das die freie Sicht in den Himmel beeinträchtigt, und die nicht teuer aus industrieller Fertigung gekauft werden müssen. Die Bauweise ist nicht ganz so leicht, aber einfach genug, um sie selbst herzustellen. Dazu lassen sich handelsübliche 0,5mm-PVC-Folien verwenden, aber eine spezielle, am normalen Markt nicht erhältliche 0,2mm-PU-Folie ist mir lieber, da sie keine Weichmacher ausdünstet, noch transparenter ist und sehr flexibel. Die qualitativ beste, weil haltbarste (zudem schmutz-abweisende) Folie besteht aus Fluor-Kunststoff (PTFE), muss aber geklemmt werden, weil sie sich nicht verkleben lässt. Dazu bin ich auf die Herstellung eines Sisal-Polyester-Kuppelringes und darüber verschraubbaren -Flansches gekommen, und so ist es nun möglich, auch diese Fluor-Folie dicht, mehrschichtig und aufblasbar zu bekommen.

Leider kenne ich keine durchsichtige Abdeckung aus nicht-industrieller Herkunft. Wer die Tiffany-Technik beherrscht, kann sich eine Glaskuppel basteln, aber das ist gediegene Handwerkskunst und ich kenne bisher niemanden, der das schon gemacht hat (da wäre noch ein Job frei :-! Und als Ersatz für Polyester suchte ich im Internet nach Kunststoffen, die man selbst herstellen kann. Die Recherche hat zu zwei gut und einfach umsetzbaren Methoden geführt, die eine aus Abfall-Plastik und Aceton und die andere sogar aus ganz und gar selbstgemachtem Bio-Plastik! (http://green-plastics.net/)

Der Klapp-Öffnungs-Mechanismus für die Kuppel von innen ist etwas schwierig. Einfacher ist es, drei Spindeln zu kaufen und damit die Kuppel senkrecht zu heben. Dauert nur etwas länger beim Öffnen.

14) Fußboden

Die Hochmobile Jurte braucht einen leichten und leicht transportierbaren Fußboden mit geringem Volumen. Bisher hat es sich am besten bewährt, dafür die passenden Dreiecke/Trapeze aus Mehrschicht-Platten zu schneiden. Vor dem Auflegen derselben wird der Boden sorgfältig geebnet und wenn nötig die Grasschicht entfernt, dann eine Folie über die ganze Jurtenfläche gelegt, groß genug, damit der Rand zuletzt hochgeklappt werden kann. Daraufhin kommen 3x5 cm starke Latten strahlenförmig genau unter die Stöße der Platten und kürzere in die Mitte dazwischen. Als kostengünstigstes Dämm-Material, das man nach Entfernen der Jurte weitflächig verteilt oder als „Komposthaufen“ vor Ort liegen lassen kann, eignet sich Baumrinde aus dem nächsten Sägewerk. Diese wird zwischen die Sparren gefüllt. Dann werden die Bodenplatten wie erwähnt aufgelegt und auf die darunterliegenden Latten geschraubt. Zuletzt wird die Folie am Außenrand hochgeklappt und an den Mehrschichtboden angetackert und zuletzt rund um die Jurte ein Wasser-Abfluß-Graben gezogen.

Wichtig: Die Hochmobile Wohn-Jurte ist sehr leicht und kann schon bei mittlerer Windstärke "abheben", was sicher nicht wünschenswert ist. Sie muß daher - wie sonstige Zelte auch - mit geeigneten "Heringen" (i.d.R. Eisenstangen) am Boden verankert werden!

Der Bezug zum Gesamtbild

So viel zu einem groben Überblick über diese wunderbare Bauweise. Viele wichtige Details blieben hier unerwähnt! Auf deren Beschreibung musste hier der Kürze wegen verzichtet werden. Genau das ist es, was in den Jurten-Bau-Workshops vermittelt wird. An einem genauen Skriptum arbeite ich schon seit mehreren Jahren. Das eine Problem daran ist, daß die Herstellung einer GEDÄMMTEN Jurte letztlich doch recht komplex ist und daher abstrakt sehr schwer vermittelbar. Man muß es einfach einmal selbst gemacht haben, um es wirklich zu verstehen und das geht eben in KURS-Form weitaus besser als über jede noch so gute – aber leider graue Theorie und Lektüre. Das zweite Problem ist, daß die Bauweise stetiger Verbesserung unterliegt, entsprechend meiner Absicht, ohne die geringste Rücksicht auf finanzielle Vorteile meinerseits das weiterzugeben, was für den Laien am einfachsten und besten zu verstehen und zu reproduzieren ist, was er also wirklich selber machen kann (dazu so kostengünstig wie möglich und im optimalen Fall - wie bei der Natur-Pur-Jurte - möglichst viel Material direkt aus der Natur zu holen.

Es ließen sich bereits mehrfach „Patente“ daraus entwickeln, doch halte ich absolut nichts von solchem Unfug! Ich gebe alles weiter, so gut ich kann, und es gibt dabei absolut keine „Geheimnisse“ (die meist den Zwecken kurzsichtig-egoistischer Vorteilssicherung = Angst dienen). Für mich ist alles ein Geschenk des Universums und so gebe ich es auch frei weiter. Meinen „Lohn“ (resp. „Lebensunterhalt“ und Forschungsaufwand) ziehe ich aus der Weitergabe dessen, was ich selber lernen und empfangen darf. Denn nur wer aus der FÜLLE großzügig gibt, kann ebenfalls Fülle, v.a. im Sinne von "Glück" empfangen – das ist ein universelles Gesetz. Alles andere halte ich für allzu-(un-)menschlichen Schwachsinn, der nur Trennung, Mangel, Habgier, Stolz, dümmliche Egozentrik, Angst und Leiden erzeugt!!! Wie heißt das Sprichwort? - "Wer an die kapitalgesellschaftlichen Geldregeln glaubt als an etwas „Gutes“, ist entweder ein Idiot oder ein Ökonom." Aus meiner Sicht ist das ganze System zutiefst geisteskrank und gehört von Grund auf reformiert. Da Wohnen und Bauen zu den zentralen menschlichen Bedürfnissen gehört, ist eine einfache, "nicht-verletzende, d.h. naturgerecht orientierte Rund-Bauweise so weit wie möglich unter Vermeidung von Industrieprodukten und zu geringsmöglichen Kosten (Banken-Unabhängigkeit!!!) mein bescheidener Beitrag zu einem der Angelpunkte, um die Menschheit aus der Sklaverei zu befreien!

Zusätzlich sollten bei jedem Bauwerk und eigentlich in allen technischen Belangen darauf geachtet werden, daß nicht nur die Materialien (gesundheitlich) stimmen, sondern auch die gewählten skalaren Größenordnungen. Die Kakophonie und spirituelle Ignoranz der weitestgehend durch Eitelkeit und Materialismus bzw. Kapitalismus geprägten Architektur ist ein weiterer wesentlichen Faktoren der bis ins innerste Mark fortgeschrittenen Geisteskrankheit und Pervertierung der modernen Zivilisation, und es kann gar nicht genug getan werden, um dies radikal zu ändern!

Claudius Kern

"Es zeugt nicht von geistiger Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein!"
Krisnamurti